Nicht weniger als 300 Inseln gehören zu dem kleinen Inselstaat Fiji (auf Deutsch: Fidschi) mitten in der Südsee, der nur kurz vor der Datumsgrenze auf dem Erdball liegt. Von Brisbane aus sind es jedoch nur etwa 3 Stunden Flug bis zur Hauptstadt Nadi (gesprochen: “Nändy”). Die Virgin Blue-Tochter für internationale Flüge im pazifischen Raum, Pacific Blue, hatte vor einigen Monaten einen Sale in dessen Rahmen auch Flüge nach Fiji günstig angeboten wurden. Da letzte Woche Mittwoch auch noch ein Feiertag in Brisbane war (Exhibition Day), musste ich nur 4 Urlaubstage aufwenden um für eine Woche ins Paradies zu fliegen.
Zusammen mit Fabi und Georg ging es also am 12. August los. Wir hatten vor unsere Reise konkret vor Ort zu buchen. Aus sicherer Quelle wussten wir, dass es im Flughafen eine Reihe von Travel Agents gibt die von der Vermittlung der Hostels und Fährverbindungen leben. Interessanterweise wird die Provision nicht aufgeschlagen, sondern die Agents finanzieren sich indirekt über die Betreiber der vermittelten Unterkünfte. Im Nachhinein war der Tipp sich erst vor Ort um die Details zu kümmern Gold wert. Sich über die Inseln, möglichen Hostels und Routen vorab zu informieren hat sich aber dennoch ausgezahlt. So konnten wir das Ganze von Anfang in genau die Richtung lenken, in der wir es wollten. Grundsätzlich wollten wir sowohl Inseln der Mamanucas, als auch der Yasawas sehen. Bei beiden handelt es sich um Inselgruppen, die von Nadi aus mit der Fähre erreichbar sind. Um es allerdings etwas interessanter zu gestalten und auch innerhalb von 7 Tagen beides zu schaffen, wollten wir mit einem kleinen Propellerflugzeug für überraschend wenig Geld auf die Insel Mana (in den Mamanucas) fliegen.
Genau das haben wir dann auch nach einer Nacht in einem der günstigsten Backpacker Beach Escape Villas (FJ-$ 18,- = ca. EUR 10,- p.P.p.N.) gemacht, die wir je hatten. Und man muss sagen, dass wir für wesentlich mehr Geld schon viel schlechtere Unterkünfte gesehen haben. Am nächsten Tag (der auch mein Geburtstag war) sind wir also mit einer kleinen 2-Propeller-Maschine von Pacific Sun losgeflogen. Das beste war, dass ich als Geburtstagskind vorne neben dem Piloten sitzen durfte. Mit Piloten-Kopfhörern und perfektem Ausblick nach vorne ausgestattet war sowohl der Ausblick auf die vielen kleinen Inseln von Riffs von oben als auch die Landung auf der Kies-Piste ein echtes Erlebnis.
Der Flug war in vielerlei Hinsicht cool: Weil auf der Insel kein Personal zum Gepäck-Ein und -Ausladen vorhanden ist, schickt die Airline mit dem ersten Flieger einen Mitarbeiter auf die Insel und lässt ihn dann am Abend wieder abholen. Insgesamt landet die Maschine aber nur 4 Mal am Tag. Dass dies nur einer von absolut typischen fijianischen Jobs ist wurde uns nach und nach klar (auch nachdem die Einkäufe von einem extra-Mitarbeiter eingetütet wurden). Der nette Gepäckmann names Moses hat uns dann noch zu einem abgelegeneren Strand geführt (sofern man davon bei einer kleinen Insel sprechen kann), an dem man perfekt Schnorcheln konnte. Dort am Sunset Beach gab’s dann auch improvisierten Geburtstagskuchen und ein paar Luftballons.

Nach einem Besuch am Tuilawa Lookout und einem Mittagessen im Mana Lagoon Backpacker sind wir dann auf die Fähre von South Sea Cruises und haben übergesetzt nach Bounty Island. Bounty ist einer der wenigen Schnittpunkte der beiden Fähren von den Mamanucas (Tiger IV von South Sea Cruises) und dem Yasawa Flyer von Awesome Adventures. Deshalb haben wir dort übernachtet um am nächsten Morgen in die Yasawas aufzubrechen. Die Insel ist eher klein und sehr idyllisch. Warum man aber einen Pool direkt auf den Strand baut, ist mir auch nach reiflicher Überlegung nicht ganz klar geworden. In jedem Fall gab es am Abend zum Ausklang des Geburtstages in der Südsee noch eine Runde Cocktails am Strand…
Der Yasawa Flyer (gelber Katamaran) hat uns dann am Dienstag bis an das nördliche Ende seiner Route auf die Insel Nacula mitgenommen. Ziemlich cool ist es immer, wenn der Flyer bei den verschiedenen Inseln anhält um Gäste aufzunehmen oder aussteigen zu lassen. Da die Inseln meist von sehr flachem Wasser umgeben sind, kommen stets die kleinen Motorboote der Resorts und Backpackern aus allen verschiedenen Richtungen auf den großen Katamaran zugefahren und reihen sich dann nacheinander ein um Gepäck und Gäste auszutauschen.

Angekommen auf Nacula (genauer der sehr guten Nabua Lodge) haben wir zuerst einmal Mittagessen bekommen. Alle Hostels haben hier in der Regel Vollpension. Bei einem Preis von FJ-$ 40,- bis 65,- mehr als fair. Das Essen war beinahe ausnahmslos ziemlich gut. Allerdings muss man auf durchgängigen Strom (nur zwischen 18 und 22 Uhr) und warmes Wasser beim Duschen verzichten. Trinkwasser gibt es auf den Inseln inmitten des türkis- bis tiefblauen Pazifiks aus der Regentonne. Ansonsten ist die Landschaft die reinste Idylle: Palmen soweit das Auge reicht. Dann noch weißer Sand, die ein oder andere Hängematte und natürlich das vollkommen klare Wasser.

Schnorcheln kann man bei fast allen der Strände direkt im seichten Wasser. Seegras und leider oft schon recht tote Korallen gibt es sehr oft. Viele bunte Fische ebenfalls. Ein Ausflug zur berühmten Blue Lagoon hat leider auch viele tote Korallen zum Vorschein gebracht. Viel Farbe war nicht mehr zu sehen. Ganz anders als in den Whitsundays zum Beispiel. Allerdings waren dort auch teilweise geschützte Marine-Parks vorhanden, die die Korallenbestände im Auge behalten und schützen…
So abgeschieden die Lage der kleinen Inseln ist, umso weniger verwunderlich ist die Herkunft des Begriffes der “Fiji-Time”. Der Begriff wird von den Insulanern (auf allen Inseln) regelmäßig benutzt um den westlichen Urlaubern klar zu machen, dass es hier auf alles ankommt, aber nicht auf Pünktlichkeit! So kann 18:00 Uhr “Fiji-Time” so ziemlich alles zwischen 18:05 und 19:00 Uhr in “English Time” bedeuten. 
Das zweite Wort, das einem immer und überall begegnet ist “Bula” (”Willkommen”, “Hallo”). Es wird auch erwartet, dass man es selbst benutzt und nicht etwa in ein “Hi” oder “Hello” zurückfällt…
An einem Abend gab es auch eine traditionelle Runde Kava. Das ist ein Getränk der Ureinwohner. Dank einer Privatstunde im Kokusnussknacken auf Insulaner-Art hatten Fabi und ich dadurch, dass unsere Namen bekannt waren das Privileg als Chief (Fabi) und Spokesman (ich) die Kava-Zeremonie zu “leiten”. Lustigerweise darf der Chief nur als erster trinken, während der Spokesman bestimmt wieviele Runden Kava es gibt. Logisch dass ich zweimal hab nachschenken lassen, oder - für alle…

In der Nabua Lodge haben wir auch 3 nette Schwedinnen und 2 Schweden kennengelernt mit denen wir die Abende bei Kartenspielen (Cheat, Picken, King of Clubs) verbracht haben. Die 5 sind für ein knappes Jahr unterwegs, wollen die meiste Zeit in Neuseeland arbeiten, aber auch in Australien reisen. Sie haben ihre Weltreise mit 3 Wochen auf Fiji gestartet, was ziemlich bemerkenswert ist. 
Nirgendwo wie in den Backpackern auf Fiji habe ich bislang so unterschiedliche Reisegeschichten gehört. Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt: Leute die ihre Jobs kündigen um ein Jahr um die Welt zu reisen. Leute, die nach Fiji ziehen und Besuch bekommen und dann herumreisen. Deutsche Auswanderer in Neuseeland, die jährlich eine längere Reise in einen anderen Erdteil unternehmen. Diplomarbeiten über die zersplitterte sozio-ökonomische Kultur von Fiji für eine schweizerische Uni. Weltreisen rechtsrum und linksrum um die Erde. In 6 Monaten oder 2 Jahren - es ist einfach alles dabei. Da wird man manchmal selbst als (bislang glücklicher) Wochenend-reisender Forschungspraktikant ein kleines bisschen neidisch…
Nach zwei Nächten sind wir dann für zwei weitere Übernachtungen auf die Insel Matacawa Levu übergesetzt. Im Long Beach Resort hatten wir Gesellschaft von ein paar Engländern. Nach der ersten Nacht war allerdings nur noch einer übrig. Somit hatten wir quasi den gesamten Südteil der Insel für uns. Ziemlich entspannt…
Das Resultat des wohl entspannendsten Urlaubs der letzten 4-5 Jahre sind: 18 (handgeschriebene) Postkarten, ca. 800 gelesene Buchseiten (verteilt auf zwei komplette Bücher), 3 neu gelernte Kartenspiele (bzw. Varianten), eine Profi-Technik zum Kokosnuss knacken, eine Menge Stunden in Hängematten, ein ziemlich guter Teint ohne größeren Sonnenbrand, ein Paar verlorene Flipflops, 7 Tage ohne Internet, mehr als 300 ungelesene Emails, etwas mehr als 2500 Fotos, 1001 neue Erlebnisse und natürlich ein ziemlich relaxter Torben…
Und sonst…?
Wieder in Brisbane angekommen hat sich ein wenig schönes Bild ergeben: Regen in Brisbane! Von 32°C in Nadi hat sich die Temperatur direkt auf 16°C halbiert…
Jetzt steht eine Menge Arbeit an, um die letzte Phase meiner Masterarbeit so abzuschließen, wie ich es geplant habe. Die nächste Reise steht daher erst Mitte September in den Kakadu National Park bei Darwin an…