Feb 4 2007

Das HPI Blogportal geht live…

Der HPI Auslandseinsatz (ehemals http://myhpi.de/auslandseinsatz) hat mehr als 2 Jahre lang HPI-Studenten begleitet, die einige Zeit im Ausland verbracht haben. Ein zentrales Depot für Tagebücher, Fotos und einiges mehr sollte anderen Fortgegangenen als auch den Daheimgebliebenen einen kleinen Eindruck von der Welt vermitteln, die weit draußen vor uns liegt.Seit den ersten Tagen des Auslandseinsatzes hat sich einiges getan. Begriffe wie “Web 2.0″ und “social software” sind zu Tage gekommen. Die weltweite Blogosphäre hat ungeahnte Dimensionen angenommen und Wikis haben das Netz erobert.

Gemeinsam mit Silvan habe ich eine neue Form für die Idee des Auslandseinsatzes realisiert: das HPI Blogportal. Ziel der Operation war die ansehnliche Zusammenführung einer Vielzahl von bloggenden HPI-Studis unter einem gemeinsamen Dach. Zum Start sind 6 Blogs vertreten. Wir hoffen natürlich, dass sich noch weitere Blogs finden.

Technisch basiert das Portal auf Wordpress und einem RSS-Aggregator als Plugin, der verschiedene Feeds zusammenführt und cached. Zusätzlich wird das Feedburner-Plugin verwendet um die original-Feeds von Wordpress durch den neuen aggregierten zu ersetzen. Sofern ihr auf eurem Blog die Lightbox verwendet, funktioniert die Anzeige auch bei uns. Zwei selbst geschriebene Widgets zeigen die aggregierten Blogs und das Archiv an.

Also schaut vorbei in der HPI Blogosphäre


Jan 26 2006

Ende gut - alles gut!

Nachdem wir (Tino & ich) als allererste aus Potsdam Richtung Ausland aufgebrochen waren (wir erinnern uns: a.D. 1. August 2005 - ganze 3 Tage nach der letzten Klausur ;)) ging es für uns natürlich auch als allererste wieder zurück. Meine Fähre hat also am 19. Dezember von Hanko abgelegt… :(

Doch zuvor war noch einiges zu erledigen: Wohnung kündigen, Handy-Karte abtelefonieren, Survival Kit zurückbringen, Leute verabschieden, Weihnachtsgeschenke/Mitbringsel organisieren, Auto vollstopfen und nicht zuletzt noch Klausuren schreiben und Projekte fertigstellen!
Einige dieser Sachen waren relativ schnell erledigt, wiederum andere haben sich eine Weile hingezogen, wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt. Insbesondere die Verabschiedungen haben sich ganz schön verteilt. Die ersten sind ja teilweise schon Anfang Dezember aus Finnland nach Hause in ihre jeweiligen Heimatländer gefahren und daher gab es immer mal wieder einen zu verabschieden, der das “Dorf” Jyväskylä verlassen hat. Auch die Projekte haben sich teilweise gezogen (wie das halt bei Projekten so ist ;)). Bis unser TCP-basiertes Schiffeversenken für SymbianOS-Clients vernünftig funktionierte sind jedenfalls ein paar Nächte ins Land gegangen. In jedem Fall waren wir für die Vorstellung am Morgen des 19. (ja, genau - der Abfahrtstag ;)) gerade fertig. Als nettes Plus lief soweit auch noch alles wie geschmiert (nein, das war kein Glück ;)).

Die Zeit vor der Abfahrt war natürlich nicht nur mit organisatorischen Dingen zugepflastert, sondern es gab noch ein paar nette Geburtstags-/Christmas-/Farewell-Parties. Ich habe euch hier ein paar Bilder davon zusammengestellt:

Die Rückfahrt selbst ist eigentlich recht einfach zu beschreiben: Auto beladen, Schlüssel bei der Hausverwaltung abgeben, bei -16°C über 400km finnische Landstraßen nach Hanko fahren, dort in die Fähre, ‘ne Runde schlafen, bei 6°C über 250km deutsche Autobahnen nach Berlin, dann 2 Tage später Richtung Bochum.
Für die Fähre hatte ich mir diesmal im Gegensatz zur Hinfahrt im August (siehe ersten Artikel) einen Kabinenplatz gebucht (Tino ist ein paar Tage später direkt nach Berlin geflogen). Die Fähre war sehr modern (Superfast Ferries) und dazu noch recht günstig. Man muss natürlich den etwas längeren Weg nach Hanko mit einkalkulieren, da viele anderen Fähren bereits von Helsinki ablegen. Dennoch hat es sich für mich in diesem Fall gerechnet. Die Vierer-Kabine war geräumig und ruhig. Geteilt habe ich sie mir mit 2 anderen Erasmus-Studenten aus Helsinki/Rostock. Die waren beide recht nett und wir haben den nächsten Tag mit Kartenspielen und schwedischem Monopoly in der Lobby verbracht. ;)
Nach ca. 19h Fahrt hat die Fähre dann in Rostock angelegt und ich hatte noch etwa 2h Auto-Fahrt bis Berlin, wo ich dann mein Lager bei Gero aufgeschlagen habe. Abends gings auf Wielands Geburtstagsparty und am Abend drauf stand die HPI-Weihnachtsfeier mit Feuerzangebowle auf dem Programm. Beide Parties konnten sich sehen lassen und ein Wiedersehen mit den meisten Leuten war wirklich schön! Zumal die wenigsten überhaupt wussten, dass ich da sein würde. Nettes Zitat von Quecky: “Du dürftest doch garnicht hier sein - du bist doch in Finnland…” :)
Am nächsten Morgen ging es dann in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub nach Bochum…

Nach einem überstandenen Weihnachtsfest, einer überstandenen Erkältung (fragt mich bitte nicht, wieso man sich erkältet wenn man aus einer Umgebung von -15°C in eine mit 3°C wechselt…) und einem überstandenen (daher leider nüchternen) Sylvester gab es dann bei Bengt in Dortmund noch eine Geburtstagsparty zu seinem Vierteljahrhundert (O-Ton). Das erste Wiedersehen mit den bekannten “Finnen” ging also recht zügig vonstatten. Ich hoffe es folgen noch einige…

Frei nach dem Motto “Uns soll ja nicht langweilig werden” bin ich zur Zeit dann also für mein Praktikum in Walldorf. Ich wohne hier in einem uralten Herrenhaus (von 1861) mitten auf einem Berg mitten auf einem Golfplatz. Cooles Ambiente würde ich sagen… ;)
Ein Paper ist noch für Jyväskylä zu schreiben (Thema: Congestion bei Netzwerkprotokollen). Zum Sommersemester geht’s dann wieder in Potsdam los.

Zuletzt würde ich gerne noch die Gelegenheit nutzen, allen die diese Berichte (vielleicht mittlerweile schon von antiquarischem Wert ;)) nach Erfahrungen für zukünftige Auslandssemester durchkämmen noch einmal ans Herz zu legen selbst ein solches Semester - in welchem Land auch immer - zu machen, sofern sich für euch die Möglichkeit ergeben sollte! Finnland wäre hier durchaus eine Überlgung wert. :)

Das war’s von mir von hier! Euer,
Torben

P.S.: Hier habe ich einige nette Bilder, die über den ganzen Aufenthalt verteilt entstanden sind, gesammelt.

P.P.S.: Ich arbeite derzeit noch an einer Vervollständigung des Artikels über unseren Russland-Trip im November (sollte in den nächsten Tagen/Wochen online gehen). Da sind noch ein paar nette Geschichten zu erzählen. Die Arbeit daran ist in den letzten Monaten irgendwie nach der Hälfte liegengeblieben… :|


Nov 13 2005

Zu Besuch bei den Nachbarn: Der Russland-Trip

Anfang November gab es für die Erasmus-Studenten in Jyväskylä zwei Möglichkeiten nach Russland zu reisen. Organisiert wurden beide Angebote von einer finnischen Reise-Agentur, die sich auf Russland spezialisiert hat. Man konnte sich zwischen einem Trip nach St. Petersburg & Moskau und einem nur nach St. Petersburg auswählen.Ich habe mich für den längeren Ausflug in beide Städte entschieden und es kein Bisschen bereut. Ca. 80 andere Studenten und ich wurden 7 Tage lang von traumhaftem Wetter im Land des Wodkas begleitet. Es folgt ein kleiner Reisebericht mit den Highlights aus Kultur, Nightlife und dem ganzen Rest…

Der Bericht hat sich leider bis jetzt verzögert, da ich zuvor nicht die Zeit gefunden hatte alles aufzuschreiben (wg. Klausuren, Projekte, Weihnachten, etc.). Aber besser spät als nie. ;)
Los ging’s morgens mit dem ersten Bus um 5:20 Uhr zum (Bus-)Bahnhof von Jyväskylä wo dann unsere beiden Reisebusse um 6:00 Uhr abfuhren - zunächst Richtung Finnisch/Russischer Grenze, dann nach St. Petersburg. Erfreulicherweise ging die Abwicklung der Formalitäten an der Grenze recht zügig von statten. Und das sogar ohne Bestechungen (zumindest hab ich keine mitbekommen).
Unser Hotel in St. Petersburg hieß logischerweise “Hotel Moscow”! Wer hätte auch etwas anderes erwartet? Wie auch immer - angekommen am späten Nachmittag stand als erstes also das gleichzeitige Einchecken von 80 Leuten auf dem Programm. Das Hotel selbst ist ein großes, massives Gebäude - schätzungsweise aus den 70ern - mit recht grauer Fassade aber sehr netten Zimmern im Innern. Genauer gesagt hieß das für die meisten von uns: das erste Mal ein Federbett mit richtiger Matratze und sogar einem Lattenrost seit gut 3 Monaten. Auch die Bäder waren recht modern ausgestattet… (und…: mit Badewanne! ;)) Soweit also annähernd ideale Schlafvoraussetzungen - sofern man einen nicht-schnarchenden Zimmergenossen abbekommen hat! ;)

Direkt am ersten Abend war ein Night cruise auf den Flüssen von St. Petersburg organisiert. Man muss dazu sagen, dass es wirklich extrem viele (teils kleine) Flüsse und Kanäle in der Stadt gibt, die ein recht zusammenhängendes Wasserstraßennetz bilden.
Die Bootsfahrt war in jedem Fall lustig! Natürlich haben die im Preis enthaltenen Drinks ihren Teil zur guten Stimmung beigetragen. Aber angesichts der Tatsache, dass die Sightseeing-Kommentare unseres Guides trotz Mikrofon in der Masse der Stimmen unterging kann man eigentlich annehmen, dass alle froh waren endlich die Busreise hinter sich zu haben.
Nur ein paar aus unserer Gruppe haben dann direkt die Möglichkeit genutzt den Havanna-Club im Anschluß an die Bootsfahrt zu besuchen. Die meisten haben sich aber in die Hotelbetten zurückgezogen um zumindest etwas Schlaf für die nächsten Tage zu bekommen.

Der nächste Tag kann getrost als extensiver Sightseeing-Tag bezeichnet werden (der Fotofinger hat bei allen geglüht). Begonnen haben wir mit dem Peter and Paul Fortress, weiter ging es mit der St. Isaac’s Cathedral, die auch einen tollen Ausblick über die Stadt bot. Dann gab es zwei Auszeiten vom organisierten Programm: die erste - kleinere - hielten wir bei KFC ab (erfreulich günstig in Russland; scheint also mit dem BigMäc-Index zu korrelieren - Danke an Bengt ;)) um dann am Nachmittag statt in die Hermitage in die “Kunstkamera” zu gehen. Dabei handelt es sich um ein Museum mit Kuriositäten, die Peter zu seiner Zeit gesammelt hat. Der interessanteste Teil bestand dabei aus einer Sammlung von eingelegten, mißgebildeten Föten und Teilen davon.
Die Stadt ist außerdem voll von Läden und Ständen, bei denen man Souvenirs kaufen kann. Dass der Kitsch-Faktor hier extrem hoch, muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen. Eine Klasse Sache haben wir jedoch entdeckt: Die Matroschka-Puppen gibt es in einer Variantenvielfalt, die einfach nicht zu übertreffen ist. Wir haben unter anderem eine Puppe entdeckt, bei der sich Gerhard Schröder ganz außen befindet. Dort drin befindet sich unrealistischerweise Helmut Kohl (wie soll das jemals passen?). Aber es kommt noch besser: dort drin ist unser allseits beliebter … Egon Krenz! :P Leider hatten wir sehr wenig Zeit um die Puppe weiter zu zerlegen - schade.

Abends sind wir dann mit der Metro in Richtung eines Clubs aufgebrochen. Die U-Bahn in St. Petersburg ist extrem tief in der Erde. Man kann vom oberen Ende der Rolltreppe das Ende unten nicht sehen. Weiterhin ist es z.B. praktisch unmöglich, sich - unten angelangt - vor einen Zug zu werfen. Denn der Bahnsteig sieht in etwa wie eine lange Reihe von Fahrstuhltüren aus, die sich erst öffnen wenn der Zug angehalten hat. Leider ist - wie an vielen Stellen - das Fotografieren in der U-Bahn nicht erlaubt (warum auch immer). Der Club heißt “Metro” - und der Name ist nicht das Einzige, was an die U-Bahn erinnert. Denn auch hier ist das Fotografieren nicht erlaubt. Aber wie so oft hilft auch hier: Frechheit siegt!
In und um den Club gab es aber noch ein paar andere interessante Sachen. So verfügt der Laden z.B. über zwei Eingänge: einen normalen und einen sog. “VIP-Eingang”, der wesentlich teurer ist. Unser Guide hat mir darüber erzählt, dass die Leute die am normalen Eingang abgewiesen werden ihr Glück nochmal am teureren versuchen können ;). Unsere Guides haben einen Deal mit dem Schuppen abgeschlossen, der uns etwas günstiger in den “Genuss” des VIP-Eingangs kommen ließ.
Am Eingang wurde zunächst jeder gefilzt. Wie sich kurz danach herausstellte lag das Hauptaugenmerk aber wohl nicht auf Waffen oder ähnlichem Spielzeug sondern vielmehr auf Kaugummis! Es musste tatsächlich jeder, der welche hatte, seine Kaugummis abdrücken. Interessantes Land… ;) Der Laden selbst war eigentlich ganz nett.
Einer der Guides sah aus wie Bully (aus der Bullyparade) in jungen Jahren. Jetzt hab ich ein Bild mit Bully (siehe Bild rechts *juhu* ;)).
Bemerkenswert war allerdings noch die Rückfahrt: mit dem illegalen Taxi ins Hotel! Unsere Guides hatten uns im Vorfeld verklickert, dass 100 Rubel ein angemessener Fahrpreis sind. Die Taxifahrer hingegen, versuchen natürlich so viel wie möglich aus den Touristen herauszuquetschen. Wie gut sie das ‘drauf haben, konnte man bei vielen aus unserer Reisegruppe sehen. Die sind teilweise für den doppelten oder dreifachen Preis dieselbe Strecke gefahren. Dabei ist es doch so einfach: Wir haben den ersten Fahrer aus der Taxi-Schlange vor dem Club die 100,- angeboten - der hat noch dankend abgelehnt und dabei versucht so zu wirken als ob das ein utopisch niedriger Preis wäre. Dann den Zweiten gefragt - dasselbe Spiel. Als wir uns dann aber unbeeindruckt davon auf die Straße gestellt haben und angefangen in der typischen Art ein anderes Taxi heranzuwinken (Arm ausgestreckt, Daumen nach unten) kam auf einmal ein Taxifahrer aus der Schlange angespurtet und wollte uns unbedingt sofort für die 100,- fahren…

Am Donnerstagmorgen haben wir direkt nach dem Frühstück aus dem Hotel ausgecheckt. Die Busse haben uns dann samt Gepäck zum St. Petersburger Hauptbahnhof gefahren. Dort wollten wir das Gepäck bis zur Abfahrt unseres Zuges am Abend zwischenlagern. Bis dann jedoch jemand kam, der unsere Gepäckstücke auch entgegennehmen wollte haben wir allerdings eine Weile warten müssen.
Anschließend ging es in das etwa 30km außerhalb liegende Village of Tsars and Catherine’s palace, in welchem sich unter anderem auch das berühmte Bernsteinzimmer befindet. Vor dem Betreten musste sich jedoch jeder einen feschen Satz Überzieher über die Schuhe ziehen, damit das gute Parkett heile bleibt. Die Tour ging durch etliche meist äußerst pompös geschmückte Räume. Bilder davon finden sich in der Galerie.
Während der Busfahrt wurde allen noch einmal eindrucksvoll die Kluft zwischen der Welt von D&G, Gucci und Versace in der reichen Innenstadt und den armen Außenbezirken vor Augen geführt. Das ist etwas, was man schlecht mit wenigen Sätzen beschreiben kann. Ich würde jedem empfehlen, sich einmal selbst anzusehen was in anderen Ländern so passiert.

Es schloß sich dann weiteres Sightseeing in der Innenstadt an. Während einem kleinen Päuschen in einer Kaffee-Bar hat sich dann auch herausgestellt, was bemerkenswertes passiert, wenn Russen versuchen heiße Schokolade zu machen und was sie denken, was sich Europäer unter “Hot chocolate” verstehen. In der üppigen Karte gab es nämlich drei verschiedene Arten Kakao: einmal normalen Kakao (das war der billigste), dann French hot chocolate und Italian hot chocolate (wesentlich teurer). Jetzt fragt ihr euch sicher auch, wo der Unterschied liegt (haben wir uns auch ;)). Wir haben es dann jedenfalls ‘drauf ankommen lassen und beides bestellt (also die letzten beiden). Das war ein Fehler! Leider haben wir keine dokumentierenden Bilder, aber keiner von beiden war trinkbar. Soll nicht heißen dass sie schlecht waren, aber die Konsistenz von beiden war eigentlich nicht zum Trinken geeignet. Meine French hot chocolate hatte definitiv mehr mit Schokopudding als mit Kakao zu tun. Und die Italienische Variante war unwesentlich viskoser. Gut dass bei beiden ein Löffel dabei war… ;)

Am frühen Abend stand dann als letzter TOP vor der Abfahrt noch Ballett auf dem Programm. Es handelte sich um eine Inszenierung von Don Quijote im Mussorgsky Theater. Eigentlich bin ich nur mitgegangen, um mir so etwas mal anzuschauen und ggf. etwas zu schmunzeln. Aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es wesentlich besser war als gedacht. Wir hatten zwar nicht die besten Plätze, aber das wurde von den kultverdächtigen Opern-Gläsern, die man an der Garderobe ausleihen konnte wieder wettgemacht.
Aber keine Panik: täglich muss ich das Spektakel nicht haben und wer jetzt hofft, mich im rosa Tütü sehen zu können, den muss ich auch enttäuschen… ;)

Der letzte Tag in St. Petersburg ging also zuende. Abschließend wäre noch zu erwähnen, dass über die ganze Zeit, die wir dort waren, eine enorme Smog-Glocke über der Stadt hing. Man muss dazu sagen, dass ich aus dem Ruhrpott komme. Und der Geschichte zufolge war es dort vor 50 Jahren nicht anders, aber selbst gesehen habe ich so etwas noch nicht. Auf dem Bild kann man eindeutig die dicke Schicht erkennen. Gesund ist etwas anderes.
Schließlich haben wir uns alle wieder am Bahnhof versammelt, wo um 00:30 Uhr unser Nacht-Zug (Marke Sowjet-Diesel, siehe Bild ;)) abfuhr. Langweiligerweise wurde keiner vergessen oder vom Zug überrollt. Stattdessen wurden alle auf winzige Vierer-Schlafkabinen verteilt, die in Sachen Komfort mit dem Hotel in keinster Weise mithalten konnten. Die Fahrt verlief dann bis zur Ankunft in Moskau gegen 8:30 Uhr recht problemlos.
Dann ging es aber los: Aus irgendeinem Grund sind unsere Guides auf einmal aus dem Zug und mindestens genauso schnell aus dem Bahnhof (durch einen Seitenausgang, wie sich später herausstellen sollte) gespurtet, so dass ich und etwa 10 andere aus unserer Gruppe erstmal den Anschluss verloren haben und eine halbe Stunde lang alles um den Bahnhof herum abgesucht haben, bis wir dann mal jemanden gefunden hatten.
Als auch wir dann schlussendlich die Busse erreicht hatten, ging es unmittelbar mit einer ersten Sightseeing-Tour durch die Stadt los. Vorbei an Rotem Platz & Kreml war ein Stopp zum “Frühstück” angesagt. Dabei kann ich sagen, dass dies eines der schrecklichsten kulinarischen Erlebnisse meines Lebens war!
Wir hielten nämlich an einem Restaurant, dass bayrisch sein sollte. Ein Schock-Erlebnis, denn die Russen & Russinnen die dort arbeiten wurden offenbar gezwungen, die häßlichsten Trachten die ich je gesehen habe in einem mit Holz ausgekleidetem zwanghaft auf gutbürgerlich getrimmten Lokal mitten in der 8-Millionen-Metropole zu tragen. Alles sollte den Eindruck von “Oktoberfest” vermitteln und war einfach nur peinlich. Wenn das Essen wenigstens geschmeckt hätte, wäre es ja halb so wild. Aber nicht nur, dass ich die Gerichte in Deutschland noch nie gesehen habe, schmeckten sie scheußlich - und das als “Frühstück”. Das übelste (neben dem Essen selbst) ist ja wohl, dass den Leuten vermittelt wird in Deutschland würde es wirklich so aussehen und wir würden ernsthaft sowas essen…
Nach der Bus-Tour haben wir dann in unser Hotel (Izmailovo) eingecheckt und den Nachmittag in der Stadt verbracht. Gegen abend haben wir dann eine (geführte) Tour durch die Moskauer U-Bahn Stationen gemacht. Das klingt zunächst nicht sonderlich spektakulär, entpuppt sich aber als sehr sehenswert. Denn alle Stationen sind ziemlich aufwendig gestaltet und jede sieht anders aus als die anderen. Somit ist das U-Bahn System in Moskau so sehr verschieden von dem in St. Petersburg. In der Galerie sind einige Fotos.

Am Samstag ging es als erstes nach dem Frühstück Richtung Richtung Zentrum. Dort standen das Lenin Mausoleum auf dem Roten Platz und anschließend der Kreml auf dem Programm. Während das Fotografieren im Mausoleum mal wieder verboten ist (wird bloß diesmal überwacht von etlichen Soldaten) kann man sich durch das Kaufen eines “Photo-Stickers” für die Jacke (50 Rubel) selbst zum Fotografieren privilegieren.
Doch abends ging der Spaß erst richtig los: Es ging in den Zirkus! Ich war schon seit Jahren nicht mehr im Zirkus gewesen und hab mich köstlich amüsiert. In Russland hat Zirkus eine lange Tradition. Daher gibt es dieses fest installierte Zirkuszelt, in dem die Show geliefert wird. Dass man kein Russisch versteht macht dabei überhaupt nichts.
Nach dem Zirkus sind wir dann noch in einen Club und anschließend per illegalem Taxi wieder ins Hotel.

Der letzte Tag in Russland verlief dann mit weiterem Sightseeing (Arbat street, Roter Platz, diverse Kirchen, usw.) doch recht auslaugend, so dass die erneute Fahrt im Nachtzug Richtung Finnland dann ganz erholsam war. Der Zug fuhr bis Lahti (in Finnland) und von dort ging es dann per Bus wieder zurück nach Jyväskylä.
Pro Kopf durften 1 Liter Wodka, 2 Liter Wein und 2 Träger Bier eingepackt werden. Das war sehr erfreulich und netterweise ist die Auswahl an Wodka in Russland auch exzellent (genauso wie der Preis und der Geschmack!). Das Bild zeigt ein einziges Regal in einem Supermarkt… ;)

Soviel zu meinem Russland-Trip. Bis demnächst,
Torben

 


Oct 27 2005

Frau Holle war da!

Wie schon in der allwissenden Wikipedia geschrieben steht:

“Im Volksmund ist Frau Holle für die Schneemenge im Winter verantwortlich, denn je gründlicher sie ihre Betten ausschüttelt, desto mehr schneit es auf der Erde.”

Irgendwie sollte es ja schon klar sein, dass Frau Holle es in diesen nördlichen Breiten besonders gut mit den Leuten meint. Und so ist es auch tatsächlich, denn am letzten Wochenende hat Frau Holle angefangen ihre Betten über Finnland auszuschütteln…

Am letzten Samstag waren wir in einem recht neuen Club hier in Jyväskylä (Kharma) und beim ‘Rausgehen hat sich dann die weiße Überraschung gezeigt…
Der Schnee ist seit dem liegen geblieben und es schneit auch in mehr oder minder regelmäßigen Abständen weiter. Die Temperaturen sind recht konstant knapp unter 0°.

Das winterliche Klima macht auch den Sauna-Gang interessant. Bei den Pausen auf dem Balkon liegt jetzt natürlich auch Schnee, der trotz der Sauna-Hitze recht kühl unter den nackten Füßen ist… ;)

Als ich letztens beim Fahrrad-Händler war hab ich Fahrradreifen mit Spikes gesehen. Ist vielleicht keine schlechte Investition. Aber bislang geht es auch so. Bin jetzt schon zwei mal beim Schneetreiben mit dem Rad in die Uni gefahren und es geht schon wenn man sich warm einpackt. Außerdem heißt es aufgepasst, sobald es ans Bremsen geht. Mein High-Tech Gefährt hier hat nämlich nur eine Rücktrittbremse, die einen recht schnell ins Schlittern bringt… (Aber es heißt ja eh: Wer bremst hat Angst! ;))

Die letzten Wochen waren insgesamt eher der Uni als der Party gewidmet. Vor ein paar Wochen war ein einwöchiger Block-Kurs “Model-Driven Development of Ubiquitous Web Applications” angesagt, der von einem österreichischen Gast-Dozenten gehalten wurde (Prototyp + 20 Seiten Paper + Präsentation = 3 Tage). Dann stand noch eine weitere Gruppenarbeit mit Präsentation auf dem Programm und letzte Woche war schließlich die bereits angekündigte Klausur von “Communication Protocols” dran…

Naja, die TCP/IP-Bücher sind wieder in der Bibliothek (;)) und nächste Woche geht es für 7 Tage nach Russland. Genauer gesagt nach Moskau & St. Petersburg. Ich denke, dass ich was Ausführliches nach meiner Rückkehr schreiben werde!

Bis dahin bleibt die Vermutung stehen, dass Frau Holle auch so schnell nicht wieder von Jyväskylä lassen wird und ich mich dann nach meiner Rückkehr aus Russland wieder mit einem aktuellen Pegelstand melde…

In diesem Sinne viele Grüße in die wärmeren Regionen dieser Welt.

Euer Torben

P.S.: Auch die finnische Fauna und Flora (in diesem Fall eher die Fauna) unterscheidet sich etwas von der uns bekannten! Die Eichhörnchen z.B. sind hier extrem aufgeschlossen. Die kommen sogar über den Balkon (uneingeladen) ins Haus und rennen in der Wohnung herum (rechts sitzt eins auf unserer Heizung ;)).
Kurz nach dem es wieder verschwunden ist, hab ich Teile der Verpackung von meinen Eukalyptus-Bonbons in meinem Zimmer gefunden! Diebisch sind sie also auch… :P


Sep 5 2005

105° - und es geht ja noch weiter…

Wir sind nun schon gute 5 Wochen hier und die unterschiedlichsten Sauna-Besuche liegen hinter uns. Der heißeste mit 105°C und der dunkelste mit jeder Menge Rauch (smoked sauna) + dem obligatorischen Bad im See…

Natürlich ist das nicht das einzige was in letzter Zeit passiert ist: ein größtenteils richtig netter Rest-Sommer hat uns noch einige tolle Erasmus- & non-Erasmus-Events beschert…

Zunächst einmal muss ich die Berichterstattung in Sachen Karaoke noch einmal aufgreifen:

Wenn man in Finnland etwas erleben möchte, kann ich jedem nur wärmstens empfehlen einer finnischen Karaoke-Bar einmal einen Besuch abzustatten! Es ist eine ganz besondere Art von Finnen die sich dort am Mikrofon versucht.
Wir waren an meinem Geburtstag mit einigen Leuten ein weiteres Mal in Charly’s Ex-Pub (ich berichtete ;) ) und haben unseren schon einigermaßen bekannten Freund in den roten Hosen wiedergetroffen. Und dieses Mal haben wir es sogar geschafft, ein schönes Gruppenbild mit ihm aufzunehmen ;):


Der King of Suomi
(+ Gefolgschaft)

In der weiteren Zeit gab es etliche (wirklich gut) organisierte Erasmus-Events, von denen ich auch an den meisten teilgenommen habe.
Ein Bar-Hopping-Abend hat uns - wer hätte es gedacht - unter anderem auch in eine (andere) Karaoke Bar geführt. Als wir ankamen waren wir noch fast alleine. Aber nur fast! Denn es war noch ein netter finnischer Rentner dort, der einsam seine Liedchen trällerte. Jedoch war er von der Ankunft von 40 Erasmus-Studenten so begeistert, dass er bald auch einen (deutschen! ;)) Hit aus seiner Jugend zum Besten gab: Lilli Marleen mit “Unter der Laterne”… :P
Später kamen dann noch einige weitere lustige Typen dazu. In der Galerie gibt es Bilder davon!

In derselben Woche gab es einen Tagesausflug, der uns zuerst zu der ältesten Kirche Finnlands führte und dann zu einem vermeintlich großen (immerhin das zweitgrößte Finnlands) Einkaufszentrum mitten im Niemandsland, sowie zuletzt zu einem Zoo mit typisch nordischen Tieren.

Bilder davon gibt es in der Galerie.

Den Einkaufsbummel in dem “Village-Shop” (für deutsche Verhältnisse eher mittelgroß) haben wir dazu genutzt, um uns einen Gemeinschaftsstaubsauger (zu sechst! ;)) zu kaufen. Da natürlich keiner von uns sowas vorher hatte, bot sich die Gelegenheit geradezu an. Links könnt ihr Tino mit dem wertvollen Stück sehen… ;)

Kommen wir nun zu unserer bisherigen Sauna-Erfahrung: Insgesamt fanden, neben den Sauna-Gängen in den Wohnheim-eigenen Saunen, drei organisierte Sauna-Evenings statt von denen jeder bislang in einer Hinsicht besonders war.
Bei dem ersten Sauna-Evening in Kiviniemi stand neben der normalen Sauna auch eine smoked sauna zur Verfügung. Alle Saunen an den Seen sind nicht elektrisch, sondern mit Holz beheizt. Üblicherweise wird aber der Qualm nach außen geleitet. Das ist bei der smoked sauna - wie der Name schon sagt - nicht der Fall. Man kommt also so schwarz wie Tino rechts aus der Sauna und geht im See schwimmen… ;)

Die als nächstes besuchte Sauna befindet sich auf einer Insel (Lehtiniemi). Also musste erstmal gerudert werden, bevor man sich bei Makkara (finnische Grill-Würste, die aber eher an dicke Bockwürstchen erinnern) und tollem Spätsommerwetter auf dem Steg niederlassen konnte.
Die dritte Sauna liegt an einem kleineren See und war wesentlich größer als die vorherigen. Aber nicht nur größer sondern auch wesentlich heißer. Das Thermometer stand in Spitzenzeiten bei 105° (ja, Celsius! ;)). Bei dem ein oder anderen Koff (Bier) ließ es sich aber sehr gut aushalten…

Das Bier leitet mich direkt zum nächsten Thema. Während auf der ganzen Welt der Ölpreis steigt und das Super-Benzin schon auf über 1,50 EUR gestiegen ist (auch hier :(), kann ich dennoch Entwarnung geben: Zumindest hier in Finnland ist es wieder möglich, ein bisschen zu sparen! Denn ein Supermarkt hier hat den Literpreis für Koff-Bier auf 1,75 EUR im Sonderangebot gedrückt. Bleibt nur zu hoffen, dass das Schnäppchen weiter auf dem Kurs bleibt…

Außerdem teilt sich die Biertrinker-Gesellschaft hier in bislang zwei Fraktionen auf. Die eine bevorzugt einen (meiner Meinung nach ungenießbaren) Pilsner-Import namens Schwabenbräu aus Deutschland (erhältlich bei Lidl) und die andere passt sich der finnischen Brau-”Kunst” an und trinkt finnische Lager-Biere wie z.B. Koff.
Grundsätzlich kauft man hier Bier im Sixpack oder Zwölferpack. Durch irgendwelche Umstände befinden sich ab und zu solche praktischen Zwillingsflaschen wie rechts auf dem Bild bei Bengt in den Packungen.
Also kriegt man für das Geld wenigstens auch noch was geboten… ;)

Auf der Ski-Abfahrtspiste von Jyväskylä kann man im Sommer mit Mountain Cross Cars fahren. Die Uni hatte die Piste mit den insgesamt 10 Autos für die Erasmus-Studenten gemietet.
Der Algorithmus ist der folgende:
bescheuerte Brille auf, Helm auf, Auto an die Seilbahn, oben rollen lassen und möglichst schnell unten sein.

Gebremst wird mit einer fast nicht zu dosierenden Hinterachsbremse. Wenn man sich gedreht hat (was wirklich einfach ist), musste man mangels eines Motors darauf warten, dass man von einem Quad wieder in die richtige Richtung gedreht wurde um dann weiterfahren zu können. Durch die 10 Autos auf der Strecke stand fast überall immer jemand und wenn man sich das Spektakel von unten als Zuschauer angesehen hat, war immer was zu lachen dabei…
Das Ganze hat aber ziemlichen Spaß gemacht, auch wenn jeder leider nur ein paar mal fahren konnte. Mehr Fotos gibt es hier.

Weiter ging es auf einem der großen Seen, an dem Jyväskylä liegt: dem Jyväsjärvi. Uns stand ein kleiner Dampfer zur Verfügung, mit dem wir 3 Stunden lang über den See und die angeschlossenen Seen geschippert sind. An Bord gab es eigentlich alles was das Herz begehrt: heiße Schokolade, Bier, eine Sauna und - wer hätte es gedacht - eine Karaoke-Anlage! ;)
Die 3 Stunden-Tour ist übrigens die kurze. Die Finnen mieten das Boot oft für etwa 9 Stunden um dann einen ganzen Tag samt saunieren und schwimmen an Bord zu verbringen.

Mit dem Ende des 4-wöchigen Intensiv-Finnisch-Sprachkurses haben auch einige Leute wieder die Stadt verlassen, weil sie nur für den Sprachkurs nach Jyväskylä gekommen waren und nun in anderen Städten Finnlands (Helsinki, Oulu…) weiterstudieren.
Gleichzeitig sind massig neue Erasmus-Studenten nach Jyväskylä gekommen, die den Sprachkurs nicht mitgemacht haben. Deshalb gab es eine kombinierte Abschieds- & Willkommensparty im Blaze Club, der humane Preise für die Getränke nimmt und auch so ganz nett ist.

Durch die Neuankömmlinge hat sich (meiner Ansicht nach) die während der letzten Wochen vorhandene “Überbevölkerung” durch Deutsche etwas abgemildert. In jedem Fall ist eine auch recht große französische Gruppe dazugekommen und einige Deutsche sind - wie bereits gesagt - aus Jyväskylä selbst weggegangen. Außerdem haben deshalb auch meine beiden Mitbewohner gewechselt. Links seht ihr Alex aus Frankreich bzw. Burkina Faso und dann gibt es noch Tomek aus Polen.
Über die ganzen zukünftigen Events informiert ein seit letzter Woche eingerichteter Email-Verteiler. Das ist eine wirklich sinnvolle Ergänzung…

Wenn jemand überlegt, ob er sich den Finnisch-Kurs sparen soll und dafür 4 Wochen später nach Jyväskylä kommen soll, dann kann ich ihm davon nur abraten. Man lernt natürlich nicht fließend Finnisch in den vier Wochen, aber es macht einige Sachen schon leichter und außerdem ist es eine spannende und nette Zeit. Weiterhin kann man sich in Ruhe eingewöhnen und weiß dann, wenn die anderen erst kommen schon sehr gut Bescheid, wo und was in der Stadt geht. Und was letztlich auch dazu kommt, ist dass man auf die Freischaltung seines Internetanschlusses im Wohnheim nicht eine Woche (mein neuer Mitbewohner wartet immernoch ;)) sondern nur 12 Stunden wartet…

Aber hier bezüglich des Sprachkurses noch einen Tipp für eventuelle Nachfolger: Es gab dieses Jahr 2 verschiedene Kurse, die parallel liefen. Der eine ist der normale Kurs von der Uni Jyväskylä und der andere (nämlich der EILC-Kurs) ist zwar ebenfalls an der Uni aber wird von der EU finanziert/gesponsert. Um diesen Kurs muss man sich im Vorfeld bewerben, wird dann aber durch kostenlose Events (für den die Kursmitglieder des anderen Kurses bezahlen müssen) belohnt.

Zu guter letzt haben die Uni-Kurse letzte Woche auch angefangen. Tino und ich machen einen leicht vorgelagerten 2-wöchigen Intensiv-Kurs Theory and Practice of Data Mining. Weiterhin stehen auf dem Programm: Communication Protocols, Graphical User Interfaces und Programming for Mobile Terminals.
Die beiden ersten Kurse sind jedoch auf Finnisch und daher werden wir ein Book-Exam machen. Der letzte Kurs fängt erst Ende Oktober an. Somit haben wir in nächster Zeit ein bisschen freie Zeit um ein paar andere Dinge zu machen… (und natürlich Bücher über TCP/IP & GUIs zu lesen… ;))
Das nächste Abenteuer ist jedenfalls schon vorprogrammiert: Ich muss demnächst zum Frisör… :D

Das war’s vorerst mal wieder hier aus dem nördlichsten Beitragsgebiet für den Auslandseinsatz. Die anderen (z.B. die Spanier) müssten aber eigentlich auch schon angekommen sein und bald fleißig schreiben…
Ich für meinen Teil bin gespannt, was im wärmeren Teil Europas abgeht… ;)

Bis bald! Euer,
Torben

P.S.: Wer auf dem Laufenden gehalten werden will, dem empfehle ich den RSS-Feed der Galerie zu abonnieren. Viel Spaß!


Aug 12 2005

Unsere Ankunft in Jyväskylä - Elvis has left the building…

Wir sind da!

Zwei Tage, in denen der meiste Schlaf auf mäßig bequemen Stühlen in den Aufenthaltsräumen der Ostsee-Fähren zu kriegen war, hat es gedauert…

Am Montag morgen (1. August) um 4:30 Uhr morgens ging es los. Mit meinem bereits am Vortag vollgepackten kleinen Autochen Richtung Rostock um zunächst mit der (ersten) Fähre (M/S Huckleberry Finn) nach Trelleborg/Schweden überzusetzen. Gegen frühen Nachmittag waren wir dann in Schweden bereit, die 640 km nach Stockholm auf uns zu nehmen. Die Hafenarbeiter in Trelleborg waren aber anscheinend noch nicht so ohne weiteres bereit uns unseren Betten für diese Nacht entgegenfahren zu lassen. Das Entladen dauerte nämlich eine nicht zu vernachlässigende Zeit > ε. Genauer gesagt verging vom Anlegen bis zum endgültigen Herausfahren eine gute Stunde (zumindest für uns, da wir auf dem oberen Deck standen).
Dank (meistens) relativ genauer PDA-GPS-Navigation kamen wir ohne größere Zwischenfälle dann abends gegen 22:00 Uhr in unserer Jugendherberge in Stockholm an. Der Service war dort trotz des günstigen Preises klasse. Leider war die Nacht einerseits wegen der Abfahrt unserer Fähre am nächsten Morgen um 7:45 Uhr (Check-In eine Stunde vorher) und andererseits wegen 12 teilweise gut angetrunkenen Zimmergenossen aus halb Europa im 14-Bett-Zimmer doch etwas kürzer als erhofft…

Um 5:00 Uhr haben wir uns dafür standesgemäß mit zwei weckenden Handys von unseren Zimmergenossen verabschiedet und sind durch die verschlafene City von Stockholm zum Hafen Stadsgården gezuckelt.
Dort erwartete uns die sehr viel größere und komfortablere Fähre M/S Isabella, die uns mit einem kurzen Schlenker über Mariehamn nach Turku/Finnland bringen sollte.
Nach einem Frühstück an Bord haben wir uns dann einen bequemen Platz in der Cafeteria mit unmittelbarer Nähe zu Steckdosen gesucht um die Zeit etwas kurzweiliger zu gestalten.

Abends um 19:50 Uhr finnischer Ortszeit (GMT+2) hat die Fähre dann angelegt und ca. eine halbe Stunde später waren wir samt Auto auch gelandet. Die letzte Etappe hat uns dann gute 320 km über finnische Landstraßen nach Jyväskylä geführt. Vor unserem Wohnheim am Myllyjärvi hat uns dann schon unser Tutor Ari erwartet. Wir haben kurz unser Survival Kit (ein dem Namen entsprechend wirklich rudimentär ausgestattetes Package mit den nötigsten Utensilien zum überleben: 1 Teller, 1x Besteck, 1 Mini-Kissen, 1 einfache Decke, usw.) entgegengenommen und dann versucht zumindest etwas Schlaf aufzuholen.

Die Zimmer von Tino und mir liegen in einem von 5 Häuser dieses Wohnheims. Jedes Haus hat 5 Etagen und auf jeder Etage etwa 4 Wohnungen. Die Wohnungen bestehen in den allermeisten Fällen aus 3 Zimmern (also 3er WGs) und relativ großem Flur, Küche, Bad und Balkon. Im wirklich fairen Mietpreis ist u.a. inbegriffen: Zugang zu den Saunen, Internet mit fester IP, Kabelfernseher (zwar nur 12 Sender, aber was solls), Wasser, Strom, Heizung, Waschmaschinen- und Trockner-Nutzung, etc.
Einen Parkplatz für das Auto kostet 4,20 EUR zusätzlich im Monat. Der Gag ist dabei die Parkplatz-Heizung. Wenn ich es richtig verstanden habe, kann ich meinen (persönlichen) Parkplatz mit einem kleinen Schlüsselchen im Winter heizen um den Schnee wegzubruzzeln… ;)
Gebaut wurde das Wohnheim 1978. Daher ist auch einiges nicht mehr so wirklich modern. Wenn man jedoch weiss, dass es nicht für ewig sein wird kann man schon recht gut damit leben. Einzig störend ist wirklich das echt winzige Bett, bei dem man mit jeder Bewegung befürchtet, dass es gleich bricht (und es zugleich hofft, um vielleicht an ein Neues zu kommen). Die hauchdünne Matratze trägt ihr Übriges zu einer - nunja - nicht so richtig entspannenden Nacht bei! Nach drei Nächten habe ich mich dann entschieden, die Decke und das Kissen aus dem Survival Kit durch vernünftige (gekaufte) zu ersetzen. Das macht es schonmal etwas komfortabler…
Ein paar Bilder aus der Wohnung gibt es in der Galerie.

In den nächsten Tagen ging es dann los, die wichtigsten Sachen zu erledigen (polizeilich melden, Uni-Accounts, Wohnungs-Übergabe, Prepaid-Handykarte, …). Dank Ari ging das alles recht problemlos über die Bühne.
Donnerstag morgen ging dann schon der Intensiv-Finnisch-Sprachkurs los. Alle ausländischen Studenten (Austausch-, Degree-, Postgraduate) sind in zwei (mittlerweile glaube ich sogar drei) verschiedene Kurse aufgeteilt worden. Die Gruppen umfassen jeweils ca. 20 Studenten. Dann geht aber auch schon alles Schlag auf Schlag: 4 Stunden täglich werden die Basics des Finnischen vermittelt.
Und es ist schon recht anspruchsvoll, da wirklich fast alle Wörter des täglichen Lebens neu gelernt werden müssen. Nur ganz wenige Worte können aus den uns wohl bekannteren Sprachstämmen saksa (Deutsch), ranska (Französisch) oder englanti (Englisch) übernommen werden. Aber es wird täglich etwas mehr und das Englische alleine hilft schon fast überall weiter.
Der Kurs selbst ist trotz der Informationsdichte eigentlich recht kurzweilig.

Während den Mittagspausen hat man momentan (im August) vor Beginn der eigentlichen Vorlesungszeit im September die Auswahl zwischen zwei Mensen, die jeweils bislang sehr leckeres Essen anbieten (meinem Eindruck nach besser als an den Potsdamer Mensen) und vom Preis vergleichbar sind: Ein Essen mit Studentenrabatt kostet 2,35 EUR (jedes). Für das Geld gibt es pro Essen ein freies Getränk, Wasser soviel man möchte und ebenfalls soviel Salat von der frischen(!) Salatbar und verschiedene Sorten Brot/Brötchen nach Wunsch.

Die Lebenshaltungskosten scheinen hier nach dem ersten Eindruck einer Woche etwas (nicht übermäßig) höher, als in Deutschland zu sein. Lebensmittel sind teurer, Alkohol auch (wobei bei weitem nicht so schlimm, wie in Schweden). Auswärts zu essen (auch Fastfood) ist ebenfalls relativ teuer. (Handy-)Telefonieren und die Miete hingegen sind günstiger. Der Spritpreis bewegt sich mit rund 1,25 EUR für Super/l auf einem Niveau wie zur Zeit (leider) auch in Deutschland üblich. Studentenrabatte sind ähnlich wie in Deutschland üblich (z.B. kostenloses Bankkonto).
Weiterhin geht hier unheimlich viel mit einer Kreditkarte. Das ist sehr, sehr angenehm. Auch kleinste Beträge kann man problemlos mit der Karte zahlen. Ich zahle z.B. jeden Tag mein Essen in der Uni-Mensa mit der Kreditkarte. Wer fuchtelt schon gerne mit Papier oder gar Metall herum, wenn es Plastik auch tut!

Am ersten Wochenende war direkt die diesjährige Finnland Rally in Jyväskylä als zentralem Austragungsort zu Gast. Das bedeutet: viel Trubel, schnelle Autos, betrunkene Finnen, volle Clubs & Bars, höhere Preise und teilweise etwas regnerisches Wetter, welches das Zuschauen leider erschwert hat.
Dennoch haben wir am Samstag mit einigen anderen Erasmus-Studenten das Service-Lager mitten in Jyväskylä besucht. Es gab allerhand Trubel, Pitstops von schnellen Autos, besoffene Finnen, usw. zu begutachten. Aber es hat sich in jedem Fall gelohnt und das Wetter war auch ganz gut.
Sonntag morgen wollten wir eigentlich zu einer der letzten Wertungsprüfungen ein paar Kilometer ins Umland der Stadt fahren, was sich aber aufgrund des schlechten Wetters erübrigt hat. Schade, denn die eigentliche Rally-Action hat zumindest mir etwas gefehlt. Aber die nächste Rally (wo auch immer) kommt bestimmt… ;)

Als wir am Wochenende in die Stadt fahren wollten und mangels eines Fahrrads auf den Bus angewiesen waren (bis heute ;)) sind wir leider darauf ‘reingefallen, dass die Busse auch am Wochenende in der Sommerzeit nur bis 22:45 Uhr fahren. Keiner wusste es.
Als wir dann nach einer Stunde an der Bushaltestelle (ohne Fahrpläne) beschlossen habe, dass kein Bus mehr kommt war der letzte Ausweg die Bar direkt um die Ecke: Charly’s Pub. Man kann es sich als etwas heruntergekommenen Karaoke-Schuppen für die etwas hoffnungslosen Fälle (siehe rechts) vorstellen. Klingt fies - ist aber so.
Kurzum: lustiges Erlebnis, aber nicht unbedingt so schnell zu wiederholen (Bilder gibts in der Galerie)…
Im übrigen scheinen wir “Glück” gehabt zu haben. Mittlerweile (2-3 Tage später) wurden nämlich die Schilder von dem Gebäude, die zuvor “Charly’s Pub” als Karaoke-Bar angepriesen haben durch Pizzerien-Schilder ausgetauscht! ;)

In den nächsten Wochen ist noch einiges an Programm für die Erasmus-Studenten geplant. Es gibt ein paar (Tages-)Ausflüge und andere Events. Diesen Samstag geht es auf eine Tour nach Ähtäri & Tuuri, der ältesten Kirche von Finnland in Petäjävesi und ein paar anderen Stationen. Das wird bestimmt auch ganz interessant. Zumal die ganzen anderen Studis auch dabei sein werden.
Weiter geht es dann mit Sauna-Grill-Abenden, Filmabenden usw… Und dann im September sind auch schon alle anderen Austausch- und Nicht-Austausch-Studenten (wieder) da, mit denen dann unter Garantie noch das ein oder andere (Erasmus-)Event starten wird.

Hei, hei…

P.S.: In der Galerie findet ihr noch jede Menge andere Bilder (falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte!)