Von der GPX-Route zur Navi-geführten Motorradtour (Navigon, iOS, iPhone)

Bereits seit zwei Jahren fahren wir mit dem Motorrad regelmäßig Touren rund um Berlin, im Harz, Thüringer Wald, dem Erzgebirge, den Alpen, die wir teilweise vorher am PC vorbereiten um sie möglichst gezielt per Navi abfahren zu können. Dabei hat sich nach und nach die Planung für die Touren immer weiter verbessert.

Ich hatte Teile meiner Vorgehensweise schonmal vor längerer Zeit gepostet. Hier möchte ich jetzt aber noch einmal alle Tipps zusammen fassen, wie man seine Tagestour optimal vorbereiten und abfahren kann ohne ständig durch das “auf die Karte gucken” und den damit vorhandenen Orientierungsschwierigkeiten aufgehalten zu werden. Das ganze Prozedere ist recht einfach, wenn man es 2-3 Mal gemacht hat.

1. Die Route planen

Typischerweise entwerfen wir die Tour bei www.mopedmap.net. Man kann dort beispielsweise vorgeschlagene Routen von anderen Usern als Basis nehmen und noch verfeinern (z.B. den Startpunkt anpassen, Teilstrecken herausnehmen oder hinzufügen, o.ä.). Einige Beispiele findet ihr in meinen Routen.

Entscheidend ist dabei, dass die Route “sauber” ist. Man muss insbesondere darauf achten, dass jeder einzelne Wegpunkt richtig platziert ist:

  • Der Wegpunkt darf nicht schlampig ein paar Meter in einer Seitenstraße der eigentlichen Route liegen (oder auf einem Platz, Parkplatz, o.ä.)
  • Bei mehrspurigen Straßen muss der Wegpunkt auf der richtigen Straßenseite liegen
  • Generell sollten keine U-Turns enthalten sein (sofern nicht explizit gewünscht)

Wenn die Tour nicht wirklich “sauber” im Sinne der o.g. Anomalien ist, wird das Navi später unweigerlich darauf hinweisen, dass man bitte wenden soll. Das ist extrem blöd, da man entweder tatsächlich wenden muss, um den schlampig platzierten Wegpunkt abzufahren oder aber kompliziert den nächsten Routenpunkt überspringen muss. Das geht praktisch nur, wenn man erst anhält – was natürlich nervig ist (insbesondere wenn man mit mehreren Fahrern unterwegs ist).

2. Die Route ausdünnen

Hat man die Route “sauber” geplant, exportieren wir die Route als “GPX”-Datei aus der Mopedmap. Als nächstes müssen wir die Anzahl der Wegpunkte minimieren. Im Navigon wird nämlich später für jeden GPS-Wegpunkt eine Teilroute angelegt. Und für jede Teilroute spricht die nette Navi-Stimme zu uns: “Ziel erreicht”. Das will man nicht unbedingt öfter als nötig hören…

Daher verwenden wir das kostenlose Werkzeug Routeconverter. Damit öffnen wir die GPX-Datei und führen folgende Schritte aus:

  1. douglas-peucker-goes-navigonGPX laden
  2. Positionsliste => Konvertiere Track in Route
  3. Position => Doppelte Positionen löschen
  4. Markiere alle redundanten Positionen bei einem Grenzwert von 1500 Metern mit dem Douglas-Peucker-Algorithmus.
  5. Markieren-Knopf
  6. Lösche markierte Positionen

Wir erhalten eine unveränderte Route, die die minimale Menge an Zwischenstationen enthält. In Einzelfällen kann es sein, dass sich die Route doch geringfügig geändert hat. Das war bei mir aber noch nie ein Problem.

3. Die Tour auf das iPhone übertragen

routeconverter-navigon-ios

Für die Navigation nutze ich Navigon Select auf dem iPhone. Um die Route vom Routeconverter ins Navigon zu bekommen, exportieren wir die Route im Format “Navigon Mobile Navigator URL (*.txt)”. Diese Datei öffne ich und kopiere die enthaltene URL in eine Email, die ich mir selber zuschicke. Die URL sollte in etwa so aussehen:

navigon://route/?target=coordinate//13.390240/52.562820&target=coordinate//13.382560/52.664980&target=coordinate//13.597660/52.683990&target=coordinate//13.649310/52.768190&target=coordinate//13.806930/52.826550&target=coordinate//13.899460/52.915120&target=coordinate//14.003020/52.908590&target=coordinate//14.037010/52.927480&target=coordinate//13.986240/52.973380&target=coordinate//13.988060/53.044060&target=coordinate//13.867010/53.140790&target=coordinate//13.725740/53.094080&target=coordinate//13.705880/53.031190&target=coordinate//13.755090/52.972260&target=coordinate//13.651200/52.910560&target=coordinate//13.645890/52.864330&target=coordinate//13.544790/52.857310&target=coordinate//13.501620/52.828160&target=coordinate//13.411200/52.571270

Auf dem iPhone öffne ich die Email und klicke nur auf den Link. Navigon startet automatisch und die Route kann abgefahren werden:

IMG_1697 IMG_1698

4. Zubehör-Tipps für das iPhone am Motorrad

USB-Steckdose an meiner Kawasaki Ninja ZX-6RDas iPhone verwende ich mit einem Cardo Scala Rider G9 per Bluetooth. Am Motorrad habe ich eine fest installierte USB-Steckdose, in die einfach das normale iPhone-Ladekabel kommt. Das iPhone steckt im Kartenfach des Tankrucksacks. Meine Handschuhe habe ich an den Fingerspitzen mit eingenähten Silberfäden (Ebay: “conductive thread”) ausgestattet, damit ich den Touchscreen bedienen kann (am sinnvollsten ist der rechte und linke Zeigefinger). So kann man mit Motorradhandschuhen durch die Plastikfolie des Tankrucksacks den kapazitiven Touchscreen bedienen (ja, das funktioniert wirklich ganz gut).

Das ist nur mein Setup. Im Prinzip könnt ihr das natürlich auch mit festen Navis wie dem TomTom Rider, Garmin zumo, etc. oder Android-Telefonen machen. Ein Jahr lang habe ich auch einfach In-Ear-Kopfhörer mit langem Kabel anstatt des Cardo Headsets benutzt. Das ist zwar umständlich beim Absteigen bei Pausen – geht aber zum Ausprobieren auf jeden Fall. Strom und Silberfäden im Handschuh sind eigentlich Pflicht – sonst macht es keinen Spaß.

51 thoughts on “Von der GPX-Route zur Navi-geführten Motorradtour (Navigon, iOS, iPhone)

  1. Dan

    Hallo zusammen, der Import ins Navigon Select klappt nur dann, wenn ihr den kostenpflichtigen Zusatzoption “Premium Paket” gekauft habt. Dort kann man dann nämlich individuelle Routen importieren und nutzen! -> Stichwort: NAVIGON MyRoutes

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